Auf der Route des Grands Crus / Burgund

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Letzte Aktualisierung: 30.01.2016

von: Rainer Schliesser (2009)

Im Mai 2009 war es soweit: wir brachen zu dritt zu einer Fahrradtour nach Frankreich, genauer ins Burgund auf. Wir hatten zweieinhalb Wochen Zeit und starteten im unterfränkischen Münnerstadt, wo ich vor vielen Jahren mal zur Schule ging.Wir radelten an den Main nach Schweinfurt, wo wir meinen Bruder aufsammelten. Somit waren wir komplett und konnten uns bei kühlem Nieselregen auf den Weg machen.

Südlich von Schweinfurt waren wir schon mitten im mainfränkischen Weinanbaugebiet mit den bekannten Weinorten Volkach oder Obereisenheim. Der Wein sollte uns während unserer gesamten weiteren Tour begleiten.Wir verließen den Main und folgten ein Stück der romantischen Straße. Wir durchquerten das Taubertal und kamen durch die immer wieder interessanten mittelalterlichen Städte von Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl.

In Neresheim gab es noch einen Höhepunkt für alle an der barocken Kirchenbaukunst eines Balthasar Neumann Interessierten: die Klosterkirche.

Es ging weiter Richtung Süden bis Ulm, wobei wir mehrfach die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg überschritten. Da wir vom Regen durchnässt und bei wolkenverhangenem Himmel in Ulm ankamen, entfiel leider der Ausblick vom höchsten Kirchturm der Welt.

Hatten wir auf der zurückliegenden Strecke immer wieder einmal mit durchaus heftigen Anstiegen zu kämpfen, wurde der Weg in den folgenden Tagen einfacher. Denn wir radelten entlang der Donau über Tuttlingen nach Donaueschingen. Kurz vor Sigmaringen kamen wir aber noch in ein kurzes Gewitter, sodass wir im Hotel erst einmal eine Grobreinigung mit dem Gartenschlauch vornehmen mussten, bevor wir das Haus betreten durften. Dafür gab es zum Aufwärmen einen Begrüßungsschluck und persönlichen Shuttle-Service zum Restaurant in der Innenstadt.

Nach Donaueschingen hatten wir einen sonnigen Tag und wir beschlossen spontan, doch mit dem Rad über den Hochschwarzwald zu fahren. Der Anstieg über Oberbränd nach Titisee-Neustadt war sehr schön zu fahren, da gemächlich und gleichmäßig ansteigend. Vor Neustadt erreichten wir bei knapp über 1000m über dem Meer den höchsten Punkt dieser Tour.

Bei bedecktem Himmel und leichtem Nieselregen ging es dann auf der B31 durch die Ravenna-Schlucht nach Freiburg hinunter. Ein äußerst unangenehmer Abschnitt wegen des vielen Last- und PKW-Verkehrs. Alternativ gibt es für diese Etappe aber auch eine Bahnverbindung. Bei Breisach, wo man vom Kirchberg einen herrlichen Ausblick auf den Rhein und das im Süden befindliche Weinanbaugebiet des Kaiserstuhls hat, verlassen wir Deutschland und radeln nach Colmar ins Elsaß.

Leider bleibt uns für Colmar keine Zeit, denn am Bahnhof können wir in nicht einmal einer halben Stunde nach Ankunft schon einen Zug über Besançon nach Dijon nehmen.

In Frankreich kann man gut und vor allem kostenlos Fahrräder in den Regionalzügen mitnehmen. Sowohl auf dem Hinweg von Colmar nach Dijon als eine Woche später auf dem Rückweg von Autun nach Belfort sind wir problemlos mitgekommen. Und das auch noch, obwohl zum Zeitpunkt unserer Rückfahrt auf Grund eines Eisenbahnerstreiks nur eingeschränkter Betrieb möglich war. Aber der Schalterbeamte in Autun hat sich über eine Stunde Zeit genommen, um uns unter wiederholten Flüchen über den Streik („merde grève“) eine Verbindung auszusuchen, die uns zuerst per Bus und dann mit mehrmaligem Umsteigen sicher ins Elsaß zurück gebracht hat.

Als wir in Dijon ausstiegen, hatten wir das nasskalte Wetter hinter uns und Sonne, blauen Himmel und 35°C vor uns.Dijon mit seiner wunderbaren Altstadt verdient sicherlich einen längeren Aufenthalt, aber wir wollten Rad fahren und sind deshalb am nächsten Morgen entlang der Saône nach Süden auf die Route des Grands Crus eingebogen. Hier wachsen in den oberen Lagen der sanft ansteigenden Westhänge des Flusstals die besten und teuersten Weine Burgunds, eben die Grands Crus.

Vorbei an der Abbaye des Citeaux, wo im Jahre 1098 der Zisterzienserorden gegründet wurde, kommen wir nach Beaune. Das dortige Hospice oder Hotel Dieu ist bekannt für die alljährliche Versteigerung seiner Weine für wohltätige Zwecke.

Und weiter geht es nach Tournus, einem verwinkelten mittelalterlichem Städtchen.Hier übernachten wir zweimal, weil wir einen Abstecher nach Cluny machen wollen, wo nur wenige Reste vom einstmals größten und mächtigsten Kloster des Mittelalters zu sehen sind. Einen Teil der Strecke können wir auf einer umgebauten Bahntrasse machen. Nun wollen wir wieder nach Norden, werden aber durch eine Reifenpanne gezwungen, in Le Creusot, einer wenig sehenswerten Industriestadt mit hilfsbereiten Reifenhändlern, Zwischenstation zu machen. Dort finden wir nur mühsam ein Hotel und müssen die Räder dann auch noch über eine enge Stiege in den dritten Stock in ein Dachzimmer tragen. Doch das Essen versöhnt uns wieder.

Von Le Creusot fahren wir weiter nach Autun. Diese Etappe hat es wieder in sich. Bleibt man im Tal der Saône, findet man gute Flachstrecken und eine Landschaft wie hier in Norddeutschland. Westlich davon kommt man allerdings in eine Hügellandschaft, die ähnlich unseren Mittelgebirgen deftige Anstiege bereithält.

Autun, das wieder eine sehenswerte Altstadt mit einer mächtigen Kirche hat, ist für uns das Ende der Radtour im Burgund. Als wir zu einem Fotostopp anhalten, werden wir auf deutsch aus einem Haus heraus angesprochen und zu einem Glas Wasser eingeladen. Die Gastgeberin fährt wie wir leidenschaftlich Rad und war schon häufig in Deutschland unterwegs. Man tauscht sich aus.

Unsere Zeit geht zu Ende und wir fahren per Bus und Bahn zurück ins Elsaß nach Belfort, einer ehemaligen Garnisonsstadt. Das heiße Wetter endet in einem Gewitter und wir radeln die 80km von Belfort nach Basel am Ende wieder bei Nieselregen. Auf der deutschen Seite von Basel kaufen wir uns ein Baden-Württemberg-Ticket und zuckeln das ganze Rheintal und den nördlichen Schwarzwald hoch, können aber bis Würzburg fahren.

Das Wetter bleibt bescheiden und wir radeln die letzten Etappen über Gemünden entlang der fränkischen Saale nach Bad Kissingen. Von dort geht es über meinen Heimatort Nüdlingen wieder nach Münnerstadt, wo unsere PKWs auf uns warteten.

Wir legten in 19 Tagen 1.241 km auf dem Rad zurück.


Tipps zum Radeln in Frankreich:

  • Radeln in Frankreich macht Spaß, da es sehr viele kleine Nebenstraßen gibt, die gut zu befahren sind und wenig Autoverkehr aufweisen.
  • Um größere Strecken zu überbrücken, kann man bequem und günstig mit den Regionalzügen der Bahn fahren. Für die vierstündige Bahnfahrt von Colmar nach Dijon bezahlte eine Person 33,70EUR, Fahrrad war frei.
  • Die IGN-Karten gibt es für ganz Frankreich mit guter Auflösung und erstklassiger Darstellung. Die Nebenstrecken sind verlässlich eingezeichnet.
  • Etwas Französisch-Kenntnisse sind hilfreich, obwohl in den größeren Städten in den Verkehrsbüros auch deutschsprachiges Personal zur Verfügung steht und man verstärkt auch mit Englisch aushelfen kann.
  • Etwas Brot, Käse, Tomaten, Obst und natürlich Wein: und das Picknick für unterwegs ist perfekt. In den Ortschaften findet man meist noch genügend kleine Geschäfte im Gegensatz zu Deutschland.
  • Ein Baedeker bietet viel Wissenswertes über die Städte und Sehenswürdigkeiten.
  • Wir waren zu dritt unterwegs und haben in Gasthöfen oder einfachen Hotels übernachtet. Im Mai war es kein Problem, Quartier zu finden. Häufig bekamen wir sogar ein Zimmer für alle drei angeboten, was sich günstig auf den Preis auswirkte.
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