„Gehweg + Radfahrer frei“ sind keine Radwege!!!

6
Letzte Aktualisierung: 10.08.2016

Im gesamten Landkreis Diepholz gibt es einen Haufen Straßen, die „Gehweg – Radfahren erlaubt“ (oder „Radfahrer frei“, ist dasselbe) ausgeschildert sind. Welche Konsequenzen hat das für den Radfahrer?

Keine Benutzungspflicht für Radfahrer

  • Solche Wege brauchen selbstverständlich NICHT benutzt zu werden, denn es sind keine Radwege (erst recht keine benutzungspflichtigen Radwege), sondern Gehwege.
  • Weil es ein Gehweg ist, haben Fußgänger absoluten Vorrang vor dem Radverkehr. Radfahrer dürfen nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren! Auf die Fußgänger ist besondere Rücksicht zu nehmen. Bei Bedarf ist also anzuhalten.

Inflationärer Gebrauch der Schilder

Der Gesetzgeber hat eigentlich gedacht, dass solche Beschilderungen nur selten verwendet werden sollen: Denn das Herumgegurke von Radfahrern auf Gehwegen ist weder im Interesse der Fußgänger noch der Radfahrer. Außerdem: Falls die Behörden meinen, einen Sonderweg für den Radverkehr bereitstellen zu müssen, dann sollen sie gefälligst auch einen vernünftig breiten, an Kreuzungen und Einmündungen sicher geführten Radweg zur Verfügung stellen.

Mit einem zur Benutzung auch durch Radfahrer freigegebenen Gehweg erweisen die Behörden den unsicheren Leuten einen Bärendienst. Denn es sind gerade die älteren und unsicheren Leute, die dann an der nächsten Kreuzung oder Einmündungen vom nächstbesten Auto umgenietet werden, weil die Autofahrer auf die Fahrbahn gucken, aber nicht auf irgendwelche beknackt geführten Gehwege.

StVO,  § 41 Vorschriftzeichen:

Ge- oder Verbot

2. Ist durch Zusatzzeichen die Benutzung eines Gehweges für eine andere Verkehrsart erlaubt, muss diese auf den Fußgängerverkehr Rücksicht nehmen. Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Fahrverkehr warten; er darf nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren.

Erläuterung
Das Zeichen kennzeichnet einen Gehweg (§ 25 Absatz 1), wo eine Klarstellung notwendig ist.

Empfehlung

„Gehweg – Radfahrer frei“ ausgeschilderte Wege empfehlen wir Ihnen in der Regel nicht zu benutzen. Fahren Sie lieber auf der Fahrbahn. Dort werden Sie von den Autofahrern besser gesehen und haben ein geringeres Unfallrisiko, weil sie Kreuzungen und Einmündungen ganz genau so befahren können wie die Autos. Das ist am sichersten, weil Sie dann nicht übersehen werden.

Es gibt allerdings immer mal wieder autofahrende Rambos, die den Radfahrer dann durch Hupen oder Anpöbeln von der Fahrbahn herunterschmeißen wollen. Falls Ihnen solch ein Kandidat begegnet, gibt es drei Möglichkeiten: a) ignorieren oder b) Anzeige schreiben oder c) die Polizei bitten, (anstelle einer Anzeige) beim Autofahrer anzurufen und den Autofahrer aufzuklären. — Ob die Version „c)“ hinhaut, hängt von der Kooperationsbereitschaft Deiner örtlichen Polizeidienststelle ab; diese Version ist aber ziemlich wirkungsvoll.

Mit oder ohne Schild?

MERKE: Wenn nur ein einziger baulich abgesetzter Weg neben der Fahrbahn läuft und er keine Beschilderung hat, dann ist das ein GEHWEG — kein Radweg!

Share.

6 Kommentare

  1. Fahrradheini on

    Schade, ich hatte beim Satzbeginn „Falls Ihnen solch eine Kanallie begegnet…“ eine befriedigendere Lösung als „ignorieren“ zu bekommen. Irgendeine geniale Idee. Aber Hauptsache, diese Seite klärt darüber auf, dass „Fahrrad frei“ nicht „Radweg“ bedeutet“, wie viele Autofahrer aufgrund von anscheinender Leseschwäche wohl vermuten.

    • Holger

      …eine befriedigendere Lösung als „ignorieren“ zu bekommen. Irgendeine geniale Idee.

      Nee, auf die göttliche Eingebung warten wir leider auch noch vergebens 😉
      Manchmal mache ich mir den Spaß und fahre den Leuten hinterher, um sie dann vor der Haustür anzusprechen: „Hoppla, woher kennen wir uns denn?“. Das klappt gelegentlich, wenn die Leute in die nächste 30-Zone hineinfahren. Wenn ein freundliches Gespräch keine Einsicht bringt, dann komme ich ggf. nochmal vorbei und überreiche ein Faltblatt von der Polizei: „Schaun-se-mal, da steht alles drin. Dann brauchen wir uns in Zukunft nicht mehr zu streiten.“ Mit Telefonnummer vom hiesigen Revier und der Straßenverkehrsbehörde. Ein anderer Kollege fährt gern direkt beim Revierleiter der Pol.wache vorbei, damit er höflich bei den Leuten anruft. Eine Anzeige ist eh‘ sinnlos, aber Nachhilfe von der Polizei ist schon blamabel genug…

  2. Es wäre schön, in den Kommentaren und Berichten NICHT von beknackten und Idioten usw. zu schreiben! Es geht NUR miteinander.

  3. Peter Schnitker on

    Wie man lesen konnte sind nachweislich über 40% der Radfahrer Unfälle SELBST VERSCHULDET. Nutzen das Radfahrer frei falsch und NIETEN FUßGÄNGER UM, Kreisverkehr falsch Rum etc.

  4. Grundsätzlich halte ich es für richtig, dass Radfahrer auf der sicheren Fahrbahn fahren, insbesondere innerorts, wo es viele Einmündungen gibt. Verkehrsteilnehmer, die nie oder nur selten Fahrrad fahren, können sich glaube ich nur schwer vorstellen, wie gefährlich es an jeder Einmündung ist, wie häufig es zu brenzligen Situationen kommt und wie selbstverständlich es erscheint, dass Radfahrer auf ihre Vorfahrt verzichten müssen.

    Nun, so finde ich, ufert es allerdings aus. Auf der L203 zwischen Verden und Weserbrücke ist der gute Radweg, der nur wenige schadhafte Stellen aufweist, neuerdings auch ein Radweg zu einem Fußweg mit Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ umgewandelt worden. Ich habe das mal ausprobiert und bin auf der Landesstraße gefahren. Trotz Rushhour wurde ich von keinem Autofahrer geschnitten. Bemerkenswert jedoch, dass die Fahrbahn schlechter ist als der Fußweg, auf dem fast nie Fußgänger unterwegs sind. Ein Gewinn an Sicherheit ist es sicherlich auch nicht, wenn ich nun auf der stark frequentierten Fahrbahn fahre, zumal es hier keine Einmündungen gibt.
    Tatsächlich fahren nun alle weiterhin mit ihren Fahrrädern auf dem (ehemals) Radweg , jedoch alle zu schnell, schneller als Schrittgeschwindigkeit. Es ist wirklich lächerlich…

    • Holger

      Richtig, es ist eigentlich Unsinn, dass dort auf „Gehweg — Radfahrer frei“ umgeschildert wurde. Es wurden an der gleichen Landesstraße 203 kilometerlange Streckenabschnitte zwischen Hutbergen und Thedinghausen-Lunsen sowie zwischen Ahausen und Eißel aus der Radwegbenutzungspflicht herausgenommen. Der Grund ist folgender: seit Jahren wird vor dem Zustand des Radweges mit „Gefahr! Radwegschäden“ gewarnt. Die zuständige Baubehörde (NLStBV) will keine Sanierung vornehmen und die Aufsichtsbehörde (Nds. Wirtschaftsminister) will nicht einschreiten. Deshalb hat das Ministerium verordnet, stattdessen „Gehweg — Radfahrer frei“ aufzuhängen. Ich verstehe auch nicht, weshalb es den Behörden nicht gelingt, die Schäden zu beseitigen. Dann kann man die Lollis hängen lassen und basta.

Leave A Reply