Interview mit Manfred Albers (SPD) zu Radverkehrspolitik in Diepholz

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Letzte Aktualisierung: 22.03.2015

Michael Labott befragte unsere Ratsherren, wie sie und ihre Fraktionen den Radverkehr sehen.Heute: Manfred Albers, SPD

M. Albers

Manfred Albers, SPD, Ratsherr im Rat der Stadt Diepholz

Das Interview führte Michael Labott (ADFC Diepholz)

Wie steht Ihre Fraktion zum Radwegesplan der Stadt Diepholz?

Berufliche und soziale Anforderungen an Verkehrspolitik steigen und liegen oft im Widerstreit mit umweltpolitischen Zielen. Die Natur, aber auch unsere Stadt, ist an die grenzen gelangt. Regionale und städtische Verkehrskonzepte haben die Vor-aussetzungen zu liefern, dass ein möglichst hoher Anteil des Verkehrs mit erheblich geminderten Belastungen abgewickelt werden kann. Aus diesem Grunde treten wir Sozialdemokraten für ein umweltverträgliches und integriertes Verkehrskonzept ein, bei dem bessere Verkehrswege für Fußgänger und Radfah-rer einen besonders hohen Stellenwert haben. In diesem Zu-sammenhang richten wir unser besonderes Augenmerk auf die Sicherung der Schulwege und setzen uns für einen verstärkten Radwegebau im Siedlungs- und Außenbereich ein. Neben der Verkehrsberuhigung in Wohngebieten glauben wir vor allem durch die Umsetzung des Radwegekonzeptes der Stadt Diep-holz einen wichtigen Beitrag zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer leisten zu können. Die Weiterentwicklung des Radwegenetzes mit der Zielperspektive „Stadt der kurzen Wege“ wird von der SPD auch deshalb betrieben, um den Bür-gern den Umstieg vom Kraftfahrzeug auf das Fahrrad auch aus ökologischen Gründen so leicht und so attraktiv wie möglich zu machen.

Persönliche Fragen:

ADFC: Wann und wo sind Sie zum letzten mal mit dem Fahrrad gefahren?

Antwort: Heute. Ich war mit meiner Frau und meiner Tochter in der Stadt, um Bücher zu kaufen.

ADFC: Nutzen Sie das Fahrrad regelmäßig? Auch im Alltag?

Antwort: Regelmäßig, aber seltener als möglich. Wenn ich unter Zeitdruck ste-he, greife ich oft auf das Auto zurück.

ADFC: Wie sind Sie in Ihrer Kindheit zur Schule gekommen?

Antwort: Ich bin immer mit dem Rad zur Schule gefahren, außer in der Grund-schulzeit, da war ich zu Fuß unterwegs. Mein Elternhaus liegt nur 150 m von der Mühlenkampschule entfernt.

ADFC: Warum werden Ihrer Meinung nach viele Kinder mit dem Auto zur Schu-le gebracht und leiden gleichzeitig an Bewegungsmangel?

Antwort: Die Bequemlichkeit der Eltern und Kinder spielt hier wohl die Hauptrol-le. Man mag es dem Kind und sich selbst nicht zumuten, zu frieren oder nass zu werden oder scheut die Auseinandersetzung auf des KfZ zu verzichten. Fer-ner setzt die eigenständige Bewältigung des Schulweges durch das Kind zu-nächst einen intensiven Lernprozess unter Begleitung der Eltern voraus, für den offenkundig die Zeit nicht aufgewendet wird (berufliche Verpflichtungen durch Doppelerwerbstätigkeit bzw. Bequemlichkeit

Fragen an Ihre Fraktion:

ADFC: Es werden jedes Jahr mehr Autos zugelassen. Wie wollen Sie darauf reagieren?

Antwort: Wir Sozialdemokraten wollen den ÖPNV leistungsfähiger und auch preislich attraktiver machen. Der Ausbau des ÖPNV sowie eine Stärkung des Schienenverkehrs u.a. auch durch die Modernisierung des Bahnhofes und sei-nes Umfeldes gehören zu unseren Zielen. Wir setzten uns für eine bessere Vernetzung von Bus und Bahn ein, fordern die Wiederaufnahme des Schienen-verkehrs Diepholz-Sulingen-Nienburg und den Ausbau der Bausverbindungen in der Region. Der Ausbau der Park & Ride-Anlagen ist uns ebenso Anliegen wie die Weiterentwicklung des Stadtbuskonzeptes.

ADFC: Was haben Sie für Visionen, wie soll die Stadt Diepholz in 10 Jahren Aussehen?

Antwort: In allen Wohngebieten gibt es 30-Zonen oder verkehrsberuhigte Bereiche / Spielstraßen. Die Diepholzer empfinden diese Entwicklung als Gewinn für sich, weil sich die Verkehrssicherheit und die Lebens- und Aufenthaltsqualität erhöht hat. Die Stadt wird als „Stadt der kurzen Wege“ von einem gut ausgebauten Radwegenetz durchzogen, dass möglichst abseits der Hauptverkehrsachsen allen Radfahrern ermöglicht, nahezu alle Punkte im Stadtgebiet sicher und schnell zu erreichen.

ADFC: Kennen Sie den Nationalen Radverkehrsplan 2002-2012? Die Bundesregierung hat ihn im Jahre 2002 Maßnahmen zur Förderung des Radfahrens beschlossen.

Antwort: Nein

ADFC: Möchte auch Ihre Fraktion den Radverkehr fördern?

Antwort: Ja

ADFC: Wie steht Ihre Fraktion zum Radwegekonzept der Stadt Diepholz?

Antwort: Positiv

ADFC: Welche der dort angesprochenen Maßnahmen sollen Ihrer Meinung nach umgesetzt werden?

Antwort: Wir sollten, so wie wir dass in den vergangenen Jahren schon gemacht haben, im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten unter Ausschöpfung der Förderung durch Dritte möglichst immer aktiv werden, wenn sich durch Flächenerwerb zu vertretbaren Konditionen die Chance ergibt, Teile des Radwegekonzeptes umzusetzen.

ADFC: Welche der dort angesprochenen Maßnahmen sollen Ihrer Meinung nach nicht umgesetzt werden?

Antwort: Einige Maßnahmen, die im Radwegekonzept vorgeschlagen werden, berücksichtigen die tatsächlich vorhandenen Gegebenheit nicht in ausreichendem Maße. Wenn der Planer beispielsweise die Abmarkierung von Seitenstreifen oder Schutzstreifen vorschlägt, wie im Bereich der Lüderstrasse oder Bahnhofstraße und die tatsächlich gegebenen Fahrbahnbreiten falsch zu Grunde legt, wird eine Umsetzung der Vorschläge kaum möglich sein. Gerade in der Lüderstrasse wird es darum gehen müssen, genau zu analysieren ob die von Hinz beschriebenen Probleme so existieren und mit den gemachten Lösungs-vorschlägen tatsächlich zu beheben sind. Die relativ geringe Fahrbahn- und Straßenbreite in einigen Teilabschnitten schränkt die Handlungsmöglichkeiten erheblich ein, was auch schon im Planungsprozess zum Neuausbau deutlich wurde. Ansonsten wird es auch darum gehen Anwohner und Anlieger mit ein-zubeziehen sowie die finanzpolitischen Aspekte nicht aus dem Auge zu verlieren. Grundsätzlich sind aber zunächst einmal alle Vorschläge im Detail zu diskutieren.

ADFC: Die Radwegeplanung wurde vor einem Jahr vorgestellt. Wann werden die dort angesprochenen Gefahrenpunkte beseitigt?

z.B.: Lüderstraße: Nach genauer Analyse und Kostenermittlung Hinterstraße / Lange Straße: Umgehend

ADFC: Ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist die Verkehrsberuhigung in Wohngebieten. Was haben/ was wollen Sie unternehmen um dies zu fördern?

Antwort: Wir haben in der Vergangenheit immer wieder Anträge zu verschiedenen Wohngebieten auf den Weg gebracht, sind aber in den meisten Fällen ohne ausreichende Unterstützung geblieben. Wir werden aber weiter um politische Mehrheiten kämpfen um möglichst alle Wohngebiete in 30-Zonen umzu-wandeln.

ADFC: Viele in Diepholz vorhandene Radwege entsprechen nicht den rechtlichen Voraussetzungen, und es werden auch bei neuen Baumaßnahmen die Richtlinien und Wünsche der Radfahrer nicht berücksichtigt. Wie kann dies zukünftig geändert werden?

Antwort: Wichtig wäre, dass sich z.B. Bürger oder auch Interesservertretungen wie der ADFC bei der Aufstellung von Plänen oder der Vorbereitung von Ausbauplanungen an der politischen Meinungsbildung beteiligen. Wenn sie Informationen benötigen, was wann ansteht, steht ihnen die SPD-Fraktion gerne zur Verfügung.

ADFC: Wir danken Ihnen für das Gespräch!

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