Rad fahrende Kinder —- Sonderregeln

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Letzte Aktualisierung: 06.08.2017

Für Fahrrad fahrende Kinder gelten spezielle Regelungen in der Straßenverkehrsordnung.

Immer auf dem Gehweg oder baulichem Radweg

  • Bis zum vollendeten 8. Lebensjahr (8. Geburtstag) MÜSSEN Kinder den Gehweg benutzen.
  • Bis zum vollendeten 10. Lebensjahr (10. Geburtstag) DÜRFEN Kinder den Gehweg benutzen, § 2 Abs. 5 StVO
  • Dabei müssen sie auf Fußgänger Rücksicht nehmen
  • NEU: Es darf auch auf einem „baulichen“ Radweg gefahren werden. Aber NICHT auf Radfahrstreifen und NICHT auf Schutzstreifen neben der Fahrbahn.
  • An Kreuzungen und Einmündungen müssen sie absteigen und das Fahrrad herüberschieben!
  • NEU: 1 Aufsichtsperson ab 16 Jahre mit eigenem Fahrrad darf auf dem Gehweg mitfahren, bei Kindern <8 Jahre.

StVO, § 2 Absatz 5    (NEUfassung ab 12/2016)

„(5) Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen, Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Ist ein baulich von der Fahrbahn getrennter Radweg vorhanden, so dürfen abweichend von Satz 1 Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr auch diesen Radweg benutzen. Soweit ein Kind bis zum vollendeten achten Lebensjahr von einer geeigneten Aufsichtsperson begleitet wird, darf diese Aufsichtsperson für die Dauer der Begleitung den Gehweg ebenfalls mit dem Fahrrad benutzen; eine Aufsichtsperson ist insbesondere geeignet, wenn diese mindestens 16 Jahre alt ist. Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen. Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Soweit erforderlich, muss die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden. Vor dem Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder und die diese begleitende Aufsichtsperson absteigen.“

NEU: Aufsichtsperson darf auf dem Gehweg mitfahren

Seit 12/2016 und der Änderung des §2 Abs. 5 StVO ist nun das Mitfahren einer geeigneten Begleitperson (Mindesalter: 16 Jahre) mit dem Kind bis zum vollendeten achten Lebensjahr auf dem Gehweg erlaubt. Mitfahren darf aber nur 1 Person, also nicht beide Eltern oder gleich die ganze Großfamilie. Und nach wie vor gilt: 1. Schrittgeschwindigkeit, 2. an jeder Straßeneinmündung absteigen und hinüberschieben.

Absteigen und schieben!

Die Pflicht zum Absteigen und Schieben besteht, weil das Fahren auf dem Hochbord schlichtweg gefährlich ist, sobald man eine Einmündung quert. Um also zu vermeiden, dass die Kinder vom nächsten abbiegenden Kfz umgefahren werden, sollen sie absteigen und schieben. Die Pflicht zum Absteigen und Schieben besteht auch dann, wenn sie begleitet werden.

Allerdings scheint niemand diese Vorsichtsmaßnahme zu beherzigen. Jedenfalls sehe ich nur Kinder oder Eltern mit Kindern, die ungebremst in die Kreuzungen hineinfahren; und das dann auch noch linksseitig. — Arme Kinder.

Kinderräder  =  Spielzeug?

Lt. § 24 StVO „Besondere Fortbewegungsmittel“ gehören Kinderfahrräder zu den besonderen Fortbewegungsmitteln, und für die gelten die Vorschriften wie für Fußgänger. Allerdings sind hiermit nur solche Kinderräder gemeint, die etwa von Kindern im Vorschulalter als Spielzeug benutzt werden. Solche Räder brauchen auch keine Lichtanlage, keine Bremsen usw.

„Vollendetes“ Lebensjahr?

Vollendetes Lebensjahr vs. Alter

Vollendetes Lebensjahr vs. Alter

Es gibt immer wieder Unklarheiten über den in der StVO verwendeten Begriff „vollendetes Lebensjahr“. — Es ist ganz einfach: Wer den ersten Geburtstag feiert, der hat gerade das erste Lebensjahr vollendet.

 

 

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14 Kommentare

  1. Andreas Wendler on

    Der Parameter „Breite des Gehweges“ bleibt bei der Regelung unberücksichtigt! Genauso wird nicht auf das Können der Kinder eingegangen, da mangels dessen wohl eine Gefährdung der Fußgänger zwangsläufig ist.

    Also haben wir wieder mal eine fundamentlose Amts-„Regelung“, die auf keinem hinreichenden IQ basiert!

  2. Das erste Lebensjahr ist das Lebensjahr zwischen der Geburt und dem ersten Jahrestag der Geburt, also dem ersten Geburtstag. Das heißt also, dass der erste Geburtstag das erste Lebensjahr vollendet. Analog verhält es sich mit allen folgende Geburtstagen => der 18. Geburtstag vollendet das 19. Lebensjahr. Alles klar?

    • Kleine Korrektur: Der 18. Geburtstag vollendet das 18. Lebensjahr und es beginnt das 19. Lebensjahr 😉

  3. Hallo, wie verhält es sich, wenn ein 12-jähriges Kind auf einem gemeinsamen Fußgänger-/Fahrradweg mit dem Fahrrad fährt und an eine Querstraße kommt. Muss es dann auch absteigen?

    • ein 12-jähriges Kind

      Hallo! Nein, die Sonderregeln für Rad fahrende Kinder gelten nur für Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr (‚muss‘-Vorschrift) bzw. 10. Lebensjahr (‚darf‘). Danach gilt für die Kiddies Erwachsenenrecht. D.h. der/die 12-jährige fährt ganz normal über die Furt herüber. Man sollte den Kiddies beibringen, etwaigen abbiegenden Verkehr von hinten oder von der Querstraße zu beobachten. Unaufmerksamkeit einfahrender/abbiegender Kfz im Zusammenhang mit Unaufmerksamkeit bevorrechtigter Radfahrer ist eine Haupt-Unfallursache.

  4. Hallo, ich hätte auch mal eine Frage:
    Wie lange dürfen Kinder mit geistiger Behinderung (z.B. Down Syndrom) auf dem Gehweg fahren? Es ist für manche durchaus möglich recht gut koordiniert auf dem Gehweg zu fahren (häufig wird das Radfahren aber erst deutlich später erlernt). Die Nähe der Autos und Motorroller/ -räder auf der Fahrbahn ist jedoch für manches Kind auch mit 10+ eine Überforderung.

    • Wie lange dürfen Kinder mit geistiger Behinderung (z.B. Down Syndrom) auf dem Gehweg fahren?

      Hi, mir ist dazu keine spezielle Regelung bekannt. Angesichts des allerorten ‚flexiblen‘ Umgangs mit der StVO würde ich pragmatisch verfahren. Natürlich unter den üblichen Voraussetzungen: langsam fahren und besondere Rücksicht auf Fußgänger nehmen. Der übliche Problemfall auf nicht freigegebenen Gehwegen sind wohl ohnehin eher die Menschen ohne Handicap, die dort zu schnell fahren. Ein Kind/Jugendlicher mit Einschränkungen dürfte gewiss nicht rasen und deshalb keine Probleme bereiten. Die Altersgrenze in der StVO orientiert sich am Regelfall der körperlich-geistigen Entwicklung – da ein Kind mit Down Syndrom nachvollziehbar etwas hinterherhinkt, wird sich niemand aufregen, wenn es auch mit höherem Alter auf dem Gehweg fährt.
      Auch Körperbehinderte mit einem 12 km/h-Rolli fahren üblicherweise alle auf dem Gehweg, obwohl sie natürlich die Fahrbahn benutzen müssen.

  5. Folgender Absatz ist falsch:

    NEU: Aufsichtsperson darf auf dem Gehweg mitfahren

    Seit 12/2016 und der Änderung des §2 Abs. 5 StVO ist nun das Mitfahren einer geeigneten Begleitperson (Mindesalter: 16 Jahre) mit dem Kind bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr auf dem Gehweg erlaubt.

    Die StVO spricht hier vom vollendeten ACHTEN und nicht vom vollendeten zehnten Lebensjahr.

  6. Was ist bei Parkplatzein- bzw. Ausfahrten. Soll da auch geschoben werden? LG Judith

  7. Gilt diese StVo auch für das Saarland? Keine, oder nur bedingt Fahrradwege, Fußgängerwege überwiegend zugeparkt… Wie soll ich mich hier richtig verhalten?

    • Gilt diese StVo auch für das Saarland?

      Hi, klar, Verkehrsregeln gelten überall in DE gleichermaßen.

      Wie soll ich mich hier richtig verhalten?

      Normalerweise macht man nichts falsch, wenn man auf der Fahrbahn fährt; es sei denn, die Benutzung des Radweges ist durch das blaue ‚Radweg‘-Zeichen ausdrücklich vorgeschrieben.

  8. Und wo fahren die Eltern, die das Kind ja so beaufsichtigen müssen dass sie jederzeit eingreifen können?

    • Und wo fahren die Eltern, die das Kind ja so beaufsichtigen müssen

      In der geplanten StVO-Novelle (vorauss. ab Herbst 2016) wird sinngemäß folgende neue Regelung des § 2 Absatz 5 StVO stehen:
      Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr dürfen künftig durch 1 geeignete Aufsichtsperson mit dem Rad auf dem Gehweg begleitet werden. 1 Person, nicht mehrere. Die Aufsichtsperson muss über 16 Jahre alt sein und nach wie vor muss auf den Fußgängerverkehr Rücksicht genommen werden und nach wie vor muss beim Queren von Fahrbahnen – auch an Einmündungen im Zuge von Vorfahrtstraßen – abgestiegen werden.

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