Radreise durch Andalusien

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Letzte Aktualisierung: 06.07.2016

Rolf Rainer Schließer, Johann Kracke †, ADFC Weyhe, 2006

Das Land der Vandalen

AndalusienVom 21.04. bis 14.05.2006 haben sich vier Radler in das Land der Vandalen begeben, denn so nannten die Mauren den Süden Spaniens: al-Andaluz.

Da der Flieger nach Malaga am Samstagmorgen um 6.00 Uhr startete, mussten wir den letzten Metronom nach Hamburg um 22.28 Uhr nehmen und die Nacht im Terminal 1 des Flughafens in Fuhlsbüttel verbringen. Aber dann ging in Hamburg alles problemlos vonstatten und um kurz nach 9.00 Uhr kamen unsere Fahrräder auf dem ganz normalen Transportband(!) des Flughafens Malaga wieder zum Vorschein: glücklicherweise unbeschädigt.

Wir zogen uns in der Toilette um und fuhren auf der Stadtautobahn Richtung Innenstadt und weiter nach Almuñecar. Am nächsten Morgen verliessen wir die touristisch überlaufene Mittelmeerküste und fuhren eine kleine, aber gut ausgebaute Nebenstraße in die Berge mit Ziel Granada. Auf ca. 830m über dem Meer ereilte uns aber das Schicksal in Form eines Bruchs der Achse von Johanns rechtem Pedal. Den Schaden konnten wir vor Ort nicht beheben, so dass wir beschlossen, in das 500m tiefer gelegene Otivar zurückzukehren. Wir fanden dort eine Übernachtungsmöglichkeit, sowie für den nächsten Morgen eine Busverbindung nach Granada, die Johann und Georg samt Rädern antraten. In Granada fanden sie durch einen Tipp des Busfahrers einen Fahrradladen, in dem Johann ein fast identisches Pedal kaufen konnte. Es musste allerdings mechanisch etwas bearbeitet werden, da Johann eine selbst konstruierte Pedalhakenkonstruktion benutzt. Doch auch dies gelang.

Andalusien  Rainer und ich fuhren währenddessen die phantastische Strecke, deren höchster Punkt auf gut 1.200 m liegt, mit dem Fahrrad. Allerdings waren die letzten 20 km (!) vor Granada noch Baustelle mit Schotter und ständig vorbeirauschenden LKWs (links).

In Granada war natürlich erst einmal Kultur angesagt. Allerdings ist die Alhambra derart überlaufen, dass wir nur noch Karten für den Generalife, nicht jedoch für den Nasridenpalast bekamen (rechts).


Vor dem nächsten kulturellen Höhepunkt lagen zwei schwere Tagesetappen mit jeweils knapp 100km und mehreren bis zu 600 Höhenmetern reichenden Anstiegen. Erst fuhren wir durch Olivenplantagen, dann durch Getreidefelder. In Cordoba stand natürlich die Mezqita auf dem Programm, die augrund der vielen darin zu findenden Baustile besonders sehenswert ist.

Das Land des Sherrys und Manzanillas

In zwei weiteren Etappen entlang des wadi al-qibr, des großen Flusses gelangten wir nach Sevilla. Natürlich leisteten wir uns auch hier einen Ruhetag, um einige Sehenswürdigkeiten besichtigen zu können, wie den Alcazar oder die Kathedrale mit dem Sarg des Christoph Columbus. Aber natürlich gibt es in den vielen Bars und Cafes auch andere Hochgenüsse:

Rechts: Südwestlich von Sevilla verliefen sich unsere Planungen sprichwörtlich im Sande, denn viele von den in der Straßenkarte eingezeichneten Nebenstraßen inklusive zweier Brücken existierten schlichtweg nicht, so dass wir uns nach ca. 20 km Umweg wieder auf der N-IV befanden, die wir Richtung Jerez de la Frontera befuhren und somit das Land des Sherry und Manzanilla aus dem Nachbarort Sanlucar de Barrameda betraten. Auch wenn letzterer einigen Leuten nicht besonders schmeckt, zeigten sie innere Stärke und genehmigten sich bereits am hellen Vormittag ein Gläschen. Wir verließen Jerez über den direktesten Weg Richtung Küste, der Autovia A4.

Nach einem Abstecher ans Kap Trafalgar, wo vor fast genau 200 Jahren Lord Nelson die große Seeschlacht gewann, sein Leben allerdings verlor, gelangten wir in das Surferparadies Tarifa, von wo uns nur ca. 14 km Wasser von zukünftigen Zielen und Herausforderungen trennten: Afrika mit Marokko

Über Ronda zurück nach Malaga

Nachdem wir einen abendlichen Abstecher nach Gibraltar gemacht hatten, ging es ins Landesinnere, um über Ronda wieder nach Malaga zurückzukehren. Dazu mussten allerdings nochmals einige Berge bis auf 1.000 m Höhe erklommen werden. Allerdings wurden wir jedoch jedes Mal durch großartige Ausblicke belohnt.

Oben rechts: Und mit diesem Denkmal wurde sogar der Tatsache gedacht, dass Radfahren in Spanien und Gibraltar durchaus mit Arbeit verbunden ist (etwas frei übersetzt).

AndalusienZahlen und Hinweise

Wir legten in den drei Wochen 1.200 km in Etappen von 35 bis 100 km zurück. Einige „Ruhetage“ für Besichtigungen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten waren ebenso enthalten wie die rechtzeitige Rückkehr nach Malaga, um im Fall von Problemen mit dem Rückflug reagieren zu können.

Anreise
Der Flug Hamburg-Malaga und zurück kostete bei Hapag-Lloyd 280 EUR pro Person. Dazu kamen pro Fahrrad und Strecke noch einmal 20 EUR Gebühr.

Temperaturen
Die Tagestemperaturen lagen je nach Bewölkung zwischen 17 und 30°C und es gab einige teils heftige Gewitter in der Region, die wir aber geschickt umgingen.

Verkehr
Die gelben und roten Straßen sind größtenteils in sehr gutem Zustand. Je größer die Straßen desto breiter ist ein gut befahrbarer Seitenstreifen. Weiße Nebenstrecken sind in der Realität häufig nicht oder anders vorhanden. Im Bereich Jerez, Gibraltar oder Flughafenzufahrt in Malaga darf man sich von „Autobahnen“, den sogenannten Autovias nicht abschrecken lassen, da sie an den genannten Stellen die einzigen Verbindungsstraßen darstellen. Sie sind dort wie Autobahnen ausgebaut und befahren, aber haben einen niedrigeren Status, so dass keine Verbotsschilder für Radfahrer anzutreffen sind.
Offiziell gilt Helmpflicht in Spanien, praktisch schert das niemanden.

Unterkunft
Es gab nirgends Probleme, um diese Jahreszeit Unterkünfte zu finden (Ausnahme: Cordoba am Wochenende). Die Preise lagen bei ca. 40-45 EUR pro Doppelzimmer. Es lohnt sich durchaus auch, in 4-Sterne-Hotels nachzufragen, da um diese Jahreszeit noch keine Saison ist und somit die Preise für gute Zimmer günstig sein können. Beispiel in Almuñecar: Suite mit zwei Schlafzimmern, Küche und Wohnzimmer: 65 EUR auf Nachfrage.

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