Warwer Straße: fragwürdiger Radweg-Neubau in Stuhr

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Letzte Aktualisierung: 27.08.2017
warwerstr-weserkurier12-02-2014

weserkurier12-02-2014

Ein 800-Meter-Radweg-Fragment in einer niederrangigen Kreisstraße zu bauen ist nach unserer Meinung witzlos. Aber in der Warwer Straße in Stuhr soll es getan werden.

Die Warwer Straße in Stuhr ist vermutlich eine Außenorts-Straße der Entwurfsklasse 4, wo lt. der einschlägigen Richtlinien im Regelfalle gar keine Radwege erforderlich sind. In den vergangenen 10 oder 20 Jahren ist auch gar kein Unfall mit Radfahrer-Beteiligung passiert. Die Kfz-Belastung dürfte bei 1000 Kfz/24 Stunden liegen. Schülerverkehr kommt gar nicht vor. Radfahrer-Ausflugsverkehr ist im Sommer sehr wohl unterwegs, aber natürlich nur am Wochenende, und dann sind kaum Autos unterwegs.

Wozu braucht man also einen Radweg? Nach unserer Meinung gar nicht. Aber siehe hier:

Tagesordnungspunkt, Ausschussitzung 23.4.2015

Dabei handelt es sich um ein Fragment von 800 bis 1000 Metern. Wozu ist das gut? Lediglich zum Erreichen des Friedhofes oder zum Erreichen des Waldgebietes. Aber liebe Planer: siehe oben, Freizeitaktivitäten finden in verkehrsschwachen Zeiten statt. Auf der Warwer Straße begegnen Euch am Wochenende ca. 2 Autos pro Minute. Dafür braucht Ihr keinen Radweg!

Kurzum: rausgeschmissenes Geld!

Betr. der angestrebten Förderung: normalerweise dürfte so ein Projekt NICHT nach dem Entflechtungsgesetz gefördert werden. Wenn die Bewilligungsbehörde es doch tut, dann glauben wir langsam nicht mehr an den Rechtsstaat.

Besser: Tempodrosselung nach EKL4

Seit einigen Jahren bemüht sich der Gesetzgeber, die Kfz-Unfälle auf Landstraßen zu reduzieren. Deshalb wurden in den “Richtlinien für die Anlage von Landstraßen RAL” sogenannte Entwurfsklassen EKL1 bis EKL4 eingeführt. Jede Entwurfsklasse steht für einen Straßentyp und soll dem Kfz-Führer aufgrund der Gestaltungsmerkmale sofort verdeutlichen, ob es sich um eine schnell befahrbare Straße handelt oder eben um eine Straße, wo man besser langsam fährt.

6 Meter breite Kreisstraßen wie die Warwer Straße fallen in die Entwurfsklasse 4. Typische Gestaltungsmerkmale sind:

RAL: Regelquerschnitt 9 -- RQ 9

Empfohlene Bauweise für ca. 6 Meter breite Kreisstraßen. Quelle: ‘Empfehlungen für die Anlage von Landstraßen RAL’, FGSV

Nach alledem wäre es also in der Warwer Straße in Stuhr-Fahrenhorst eher geboten,

  • die vorhandene Mittellinie zu entfernen
  • seitliche Leitlinien aufzubringen
  • auf den Bau des Radweges zu verzichten

Markierung ist KEIN Schutzstreifen für Radfahrer

Der per Leitlinie abmarkierte Streifen ist nur 50 cm breit. Müssen Radfahrer dort fahren, d.h. ist das ein Schutzstreifen für Radfahrer? Klare Anwort: NEIN! Denn lt. StVO werden Schutzstreifen für Radfahrer a) mit einer Leitlinie markiert UND b) in regelmäßigen Abständen mit dem “Fahrrad”-Piktogramm gekennzeichnet. – Das Fahrrad-Piktogramm fehlt aber auf den 50 cm schmalen Streifen. Also ist der Streifen KEIN Schutzstreifen für Radfahrer. Es gilt also das ganz normale “Rechtsfahren”: angesichts des systembedingten Schlangenlinienfahrens von Radfahrern ist ein Abstand von 80 cm bis 1,00 m zum Fahrbahnrand völlig in Ordnung. D.h. man fährt IMMER LINKS von der Linie.

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