Schutzstreifen auf der Fahrbahn

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Letzte Aktualisierung: 17.04.2017

Neben dem ‚baulich getrennten‘ Radweg stehen die Instrumente ‚Radfahrstreifen‘ und ‚Schutzstreifen‘ zur Auswahl, soweit überhaupt Radverkehrsanlagen erforderlich sind. SchutzstreifenMit der StVO-Novelle vom 01.09.2009 wurden die Beschränkungen hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten des Schutzstreifens deutlich erweitert. Insbesondere gibt es nicht mehr wie früher eine ‚Rangfolge‘, nach der ein Schutzstreifen immer nur dann anzulegen wäre, wenn ein Radweg nicht möglich ist.

Des weiteren gibt es keine expliziten Obergrenzen für die Verkehrsbelastungen mehr. Schutzstreifen sind auch in Straßen mit sehr hohem Verkehrsaufkommen einsetzbar. Ein ordentlicher Schutzstreifen ist allemal besser als ein schlechter baulicher Radweg.

Wichtiges Sicherheitskriterium: Breite und Seitenraum

Viel wichtiger als die Verkehrsbelastung der Straße ist die Ausgestaltung des Schutzstreifens:

  • hochgefährlich ist mangelnder Sicherheitsabstand zu einem Längsparkstreifen –> aufklappende Türen!
  • Wenn der Weg zu schmal ist, wird’s auch gefährlich. Denn die Autofahrer tendieren dazu, immer bis an die gestrichelte Linie heranzufahren. Also: falls nicht genügend Platz für einen Schutzstreifen vorhanden ist, dann ist es besser, gar keinen zu markieren, weil die Autofahrer dann einen weiteren Bogen machen (aha!)!!!!
  • schmaler Schutzstreifenübrigens: eine ’nicht befahrbare‘ Gosse gehört NICHT zur Fahrbahn und damit auch NICHT zum Schutzstreifen!!!! Das solltet Ihr bei der Breiten-Bemessung berücksichtigen.
    Beispiel: die Gosse im Foto rechts (Diepholz, Maschstraße)  dürfte ’nicht befahrbar‘ sein!! Somit ist der Schutzstreifen wirklich nur 65cm plus Markierung schmal. Das ist Humbug.

Siehe StVO, Anlage 3 Nr. 22 Zu § 42 Abs. 2

Straßenverkehrsordnung / StVO


 Anlage 3 (zu § 42 Abs. 2)
123
lfd. Nr.Zeichen und
Zusatzzeichen
Gebote oder Verbote
Erläuterungen
Abschnitt 8 Markierungen
22Zeichen 340
Leitlinie
Z340 Leitlinie
Ge- oder Verbot
  1. Wer ein Fahrzeug führt, darf Leitlinien nicht überfahren, wenn dadurch der Verkehr gefährdet wird.
  2. Wer ein Fahrzeug führt, darf auf der Fahrbahn durch Leitlinien markierte Schutzstreifen für den Radverkehr nur bei Bedarf überfahren. Der Radverkehr darf dabei nicht gefährdet werden.
  3. Wer ein Fahrzeug führt, darf auf durch Leitlinien markierten Schutzstreifen für den Radverkehr nicht parken.

Erläuterung

Der Schutzstreifen für den Radverkehr ist in regelmäßigen Abständen mit dem Sinnbild „Radverkehr“ auf der Fahrbahn gekennzeichnet.

Kein Sonderweg, sondern Teil der Fahrbahn

Radfahrer Sinnbild

Radfahrer Sinnbild

Der Schutzstreifen ist Bestandteil der Fahrbahn und bekommt deshalb *KEIN* blaues Schild , sondern das Sinnbild „Radfahrer“ (in weiß auf den Grund gemalt). Seit der StVO-Novelle ist die Markierung mit dem Radfahrer-Piktogramm verpflichtend! Falls das Symbol fehlt, dürfte der Streifen auch kein Schutzstreifen sein.

Autos sollen den Schutzstreifen zwar üblicherweise nicht befahren, aber sie dürfen ihn ausnahmsweise z.B. zum Ausweichen befahren, siehe Nummer 2.

Geparkt werden darf dort nicht, siehe Nummer 3. Falls die Behörden jedoch vergessen haben, die notwendigen Piktogramme zu markieren, dann kann man niemandem das Parken verübeln.

Weil der Schutzstreifen ein Teil der Fahrbahn ist, gelten im übrigen die üblichen Regeln für Fahrbahnen.

Rechtsfahrgebot –> „Benutzungspflicht“ ?

Für auf der Fahrbahn fahrende Fahrzeuge gilt das Rechtsfahrgebot. Da der Schutzstreifen rechts auf der Fahrbahn markiert ist, besteht eine indirekte Benutzungspflicht für Radfahrer. Da sich dieses Gebot einzig und allein aus dem Rechtsfahrgebot ableitet, gelten auch die Einschränkungen des Rechtsfahrgebotes:

  • Zum Überholen und Linksabbiegen darf man den Sch.str. selbstverständlich verlassen.
  • Abstands-Gebot: Sowohl zu parkenden Autos (aufklappende Türen) als auch zum Fahrbahnrand (Sturzgefahr) muss man einen hinreichenden Seitenabstand halten. Wenn der Schutzstreifen aber viel zu schmal markiert wurde (Beispiel), dann passt man mit einem ca. 80 cm breiten Fahrrad selbstverständlich nicht mehr auf den Schutzstreifen.
  • In den üblichen Fällen der Unbenutzbarkeit (etwa Glasscherben, Schneehaufen, Autoblech) braucht man den Sch.Str. ohnehin nicht zu benutzen.

 

VwV-StVO / Allg. Verwaltungsvorschrift

Zu § 2 Straßenbenutzung durch Fahrzeuge
Zu Absatz 4 Satz 2
 I.[ . . . ]
125. Ein Schutzstreifen ist ein durch Zeichen 340 gekennzeichneter und zusätzlich in regelmäßigen Abständen mit dem Sinnbild „Fahrräder“ markierter Teil der Fahrbahn. Er kann innerhalb geschlossener Ortschaften auf Straßen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von bis zu 50 km/h markiert werden, wenn die Verkehrszusammensetzung eine Mitbenutzung des Schutzstreifens durch den Kraftfahrzeugverkehr nur in seltenen Fällen erfordert. Er muss so breit sein, dass er einschließlich des Sicherheitsraumes einen hinreichenden Bewegungsraum für den Radfahrer bietet. Der abzüglich Schutzstreifen verbleibende Fahrbahnteil muss so breit sein, dass sich zwei Personenkraftwagen gefahrlos begegnen können. Schutzstreifen sind in Kreisverkehren nicht zulässig. Zum Schutzstreifen vgl. Nummer II zu Zeichen 340; Rn. 2 ff.
Zu Anlage 3 (§ 42 Abs. 2)
Zu Zeichen 340 Leitlinie
1I.[. . .]
II.Schutzstreifen für Radfahrer
21. Die Leitlinie für Schutzstreifen ist im Verhältnis Strich/Lücke 1:1 zu markieren und auf vorfahrtberechtigten Straßen an Kreuzungen und Einmündungen als Radverkehrsführung fortzusetzen.
32. Auf die Markierung einer Leitlinie in Fahrbahnmitte ist zu verzichten, wenn abzüglich Schutzstreifen der verbleibende Fahrbahnanteil weniger als 5,50 m breit ist.
43. Zu Schutzstreifen vgl. auch zu Nummer I 5 zu § 2 Abs. 4 Satz 2.
5III.Leitlinien sind nach den Richtlinien für die Markierung von Straßen (RMS) auszuführen. Vgl. zu Markierungen (Anlage 3).
6IV.Vgl. auch Nummer I zu § 7 Abs. 1 bis 3.

Parkverbot

Seit 1.9.2009 ist das Parkverbot auf Schutzstreifen in der StVO pauschal geregelt, siehe Zeichen 340 StVO, Ge- oder Verbot, Nr. 3.
Es bedarf also keiner weiteren Beschilderung.

Außerorts sind Schutzstreifen *derzeit* nicht erlaubt

Allerdings läuft ein „Modellversuch Schutzstreifen außerorts“. Die bisherigen Erkenntnisse sind wohl positiv, so dass durchaus damit gerechnet werden kann, dass demnächst auch Schutzstreifen außerorts zugelassen werden.

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16 Kommentare

  1. Dürfen auf dem Schutzstreifen Radfahrer entgegen der Richtung fahren? Im konkreten Fall ist auf dem Schutzstreifen ein Radfahrerzeichen mit Pfeil in Fahrtrichtung aufgezeichnet. Mir kam aber kürzlich ein Radfahrer entgegen und zwar (jetzt kommts…) so rücksichtslos, wie sehr viele Radfahrer. Überall wird nur geschrieben, was und wie sich die Autofahrer zu verhalten haben, aber dass sich die Radfahrer ebenso an Regeln halten müssen, wird leider selten erwähnt.

    • Dürfen auf dem Schutzstreifen Radfahrer entgegen der Richtung fahren?

      Hi, nein, natürlich darf man dort nicht links fahren. Aber es ist durchaus ein übliches Phänomen, dass erwachsene Radfahrer, die zumeist einen Pkw-Führerschein besitzen, mit dem Rad plötzlich ‚links‘ fahren und überhaupt keine Skrupel dabei haben. Laut einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen BASt ist der Anteil der Falschfahrer sogar ziemlich hoch: „9.1.3 Radfahrer in linker Fahrtrichtung ||| Der Anteil der regelwidrig in linker Fahrtrichtung fahrenden Radfahrer liegt im Durchschnitt bei etwa 20 % bei Radwegen und bei etwa 10 % bei markierten Führungen auf der Fahrbahn.“ (Quelle: BASt, ‚Unfallrisiko und Regelakzeptanz von Radfahrern‘, 2009). Ich stimme zu, der Geisteszustand solcher Linksfahrer ist überprüfungsbedürftig 😉

  2. Wie ist die Sachlage, wenn ich auf einer zweispurigen Straße innerorts fahre, rechts ist ein Schutzstreifen, es ist Stau. Dann muss ja eine Rettungsgasse gebildet werden. Darf ich dann als rechts fahrender auf den Schutzstreifen fahren?

    • Dann muss ja eine Rettungsgasse gebildet werden.

      Hi, die neue Regelung, wonach bei Stau grundsätzlich eine Rettungsgasse zu bilden ist, gilt lediglich für Autobahnen und **Außenorts**-Straßen mit mehreren Spuren je Fahrtrichtung (§11 Abs. 2 StVO). Auf solchen Straßen gibt es keine Schutzstreifen. Innerorts kommt eher die ganz normale Blaulicht-Regel (§38 StVO) zum Tragen: nur wenn ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht naht, muss man schleunigst Platz machen. Dazu muss/darf man selbstverständlich auch mit dem Kfz auf den Schutzstreifen ausweichen, denn er gehört ja zur Fahrbahn. Auf Innerortsstraßen wird keine „Rettungsgasse“ gebildet, sondern nur bei Bedarf Platz gemacht.

  3. Hallo,
    regelmäßig ist der Schutzstreifen voll mit Autos, weil „nur kurz“ in die Läden wie Post, Blumenladen etc gegangen wird. Daneben fährt die Straßenbahn in 2 Richtungen auf dieser Straße. Beim Überholen der stehenden Autos kommt man an/zwischen die Gleise.
    Gibt es irgendwo Hinweise in der StVo oder so, dass an solchen gefährdeteren Stellen Halteverbotsschilder aufgestellt werden können/aufzustellen sind? Oder ist wäre nur durch eigene Einschätzung der Stadt umzusetzen?

    • regelmäßig ist der Schutzstreifen voll mit Autos, weil „nur kurz“ in die Läden….

      Wer einkaufen geht, der parkt. Und parken ist auf dem Schutzstreifen verboten, siehe oben. Ihr könntet schlicht und einfach das Handy zücken und Anzeigen wegen Falschparkens schreiben. Mal gucken, wann die Stadt irgendwelche Maßnahmen ergreift. Ein Halteverbot ist vmtl. nicht durchsetzbar. Aber die Leute halten ja auch nicht, sondern sie parken. Ihr könntet die Situation (Falschparker und das Ausweichen der Radfahrer) auch sauber mit Fotos dokumentieren und an die Verwaltung, die Presse, die politischen Fraktionen usw. geben. Mit dem von Dir genannten Hinweis, dass der durch Falschparken erzwungene Wechsel über die Gleise gefährlich ist und deshalb unterbunden werden muss.

  4. Hallo, bei uns in der Straße wurde eine gestrichelte Linie aufgemalt. Sie ist aber nicht durch Fahrradsymbole gekennzeichnet und wird auf den Kreuzungen nicht weitergeführt, obwohl es eine Vorfahrtsstraße ist. Gilt der Streifen als Schutzstreifen inkl. Halteverbot?

    • Hallo, mit gutem Willen könnte man einen Schutzstreifen erkennen.

      Sie ist aber nicht durch Fahrradsymbole gekennzeichnet

      Aber jeder Autofehrer der darauf parkt wird sagen, das sei kein Schutzstreifen, denn das Piktogramm fehlt. Also sollte jemand bei der Stadt vorstellig werden und die Markierung der Fahrrad-Sinnbilder einfordern, siehe „Erläuterung“ in der StVO zum Schutzstreifen. Seit 2013 ist das Piktogramm Pflicht!

      und wird auf den Kreuzungen nicht weitergeführt,

      Der Schutzstreifen muss tatsächlich nicht im Kreuzungsbereich weitergeführt werden sondern er endet im Regelfalle vor der Kreuzung und beginnt dann dahinter.

  5. Hallo,
    wenn der Schutzstreifen als Bestandteil der Fahrbahn gilt, darf oder muss ein PKW beim Rückwärts-Seitwärts-Einparken sich auf diesen Streifen stellen, um in die Lücke zu fahren?

    • darf oder muss ein PKW beim Rückwärts-Seitwärts-Einparken sich auf diesen Streifen stellen, um in die Lücke zu fahren?

      Hi, klares: ja. Und zwar ist das in der StVO zum Zeichen 340 „Leitlinie“ geregelt: „Ge- oder Verbot …. 2. Wer ein Fahrzeug führt, darf auf der Fahrbahn durch Leitlinien markierte Schutzstreifen für den Radverkehr nur bei Bedarf überfahren….. “ Also zum Beispiel falls nötig zum Ausweichen oder eben um auf den neben der Fahrbahn gelegenen Parkstreifen zu gelangen.

  6. Max Mustermann on

    Zum Thema Rechtsfahrgebot –> „Benutzungspflicht“ ?

    Innerorts gibt es bei mehrspurigen Straßen kein Rechtsfahrgebot. Es gilt die freie Spurwahl und man darf rechts schneller fahren als links (StVO §7 Abs. 3).

    • Es gilt die freie Spurwahl und man darf rechts schneller fahren als links (StVO §7 Abs. 3).

      Achtung,
      §7 StVO gilt ausdrücklich nur für Kraftfahrzeuge. Somit müssen Radfahrer auch auf solchen Straßen rechts fahren.

      • Dem würde ich widersprechen:

        §7 gilt nicht für Radfahrer, also gilt das Rechtsfahrgebot aus §2 Absatz 1. Das bezieht sich aber auf die FahrBAHN („von zwei Fahrbahnen die rechte“).

        Nun sind die Vorrangstreifen/Schutzstreifen ausdrücklich Bestandteil der Fahrbahn. Sie bilden keine eigenständige Fahrbahn.

        Daraus folgt, dass man als Radfahrer auf der gesamten Fahrbahn, also auch auf dem Bereich direkt links vom Vorrangstreifen dem Rechtsfahrgebot genügt.

      • also gilt das Rechtsfahrgebot aus §2 Absatz 1. Das bezieht sich aber auf die FahrBAHN („von zwei Fahrbahnen die rechte“).

        Hi, beachte §2 Abs. 2 StVO: „Es ist möglichst weit rechts zu fahren, …“. — Das ist das eigentliche Rechtsfahrgebot. Soweit der Schutzstreifen also befahrbar und breit genug ist, befindet sich „möglichst weit rechts“ innerhalb des Schutzstreifens.

        („von zwei Fahrbahnen die rechte“).

        Mit „Zwei Fahrbahnen“ sind 2 baulich getrennte Fahrbahnen gemeint, also z.B: 2 durch einen breiten Grünstreifen getrennte Fahrbahnen. — Bitte nicht mit „Fahrstreifen“ verwechseln 😉

  7. Karl-Heinz Hofmann-Grandke on

    Danke für den aufschlußreichen Beitrag. Ich habe nun eine Stunde das Netz durchforstet, bin aber nirgends fündig geworden, ob ich als Radfahrer den Schutzstreifen / Radstreifen verlassen darf, um ein anderen Fahrrad zu überholen, wenn hinter mir ein Auto fährt, das nur geringfügig das Tempo drosseln muss, damit ich meinen Überholvorgang beenden kann.

    • Michael Nebert on

      Der Schutzstreifen ist ein Schutz für Radfahrer, nicht aber ein Zwangsstreifen, auf dem der Radler zu bleiben hat. Du musst u. U. sogar aus dem Schutzstreifen heraus, wenn du nach links in eine abgehende Straße einbiegen willst (links abbiegen). Da haben die Autos hinter dir Pech, wenn sie zwischen dir und dem Kantstein nicht durchkommen, weil auf dem „Schutzstreifen“ ein weiterer Radler fährt…
      Ds neue Radwegekonzept ist im Prinzip an vielen Straßen eine Verbesserung – aber hat sehr, sehr viele Schwachstellen. Leider haben viele Kommunen nicht den Mut, an solchen mal vom „Muss“ mit einer tragbaren Begründung abzuweichen.

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