Schutzstreifen auf der Fahrbahn

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Letzte Aktualisierung: 16.02.2016

Neben dem ‚baulich getrennten‘ Radweg stehen die Instrumente ‚Radfahrstreifen‘ und ‚Schutzstreifen‘ zur Auswahl, soweit überhaupt Radverkehrsanlagen erforderlich sind. SchutzstreifenMit der StVO-Novelle vom 01.09.2009 wurden die Beschränkungen hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten des Schutzstreifens deutlich erweitert. Insbesondere gibt es nicht mehr wie früher eine ‚Rangfolge‘, nach der ein Schutzstreifen immer nur dann anzulegen wäre, wenn ein Radweg nicht möglich ist.

Des weiteren gibt es keine expliziten Obergrenzen für die Verkehrsbelastungen mehr. Schutzstreifen sind auch in Straßen mit sehr hohem Verkehrsaufkommen einsetzbar. Ein ordentlicher Schutzstreifen ist allemal besser als ein schlechter baulicher Radweg.

Wichtiges Sicherheitskriterium: Breite und Seitenraum

Viel wichtiger als die Verkehrsbelastung der Straße ist die Ausgestaltung des Schutzstreifens:

  • hochgefährlich ist mangelnder Sicherheitsabstand zu einem Längsparkstreifen –> aufklappende Türen!
  • Wenn der Weg zu schmal ist, wird’s auch gefährlich. Denn die Autofahrer tendieren dazu, immer bis an die gestrichelte Linie heranzufahren. Also: falls nicht genügend Platz für einen Schutzstreifen vorhanden ist, dann ist es besser, gar keinen zu markieren, weil die Autofahrer dann einen weiteren Bogen machen (aha!)!!!!
  • schmaler Schutzstreifenübrigens: eine ’nicht befahrbare‘ Gosse gehört NICHT zur Fahrbahn und damit auch NICHT zum Schutzstreifen!!!! Das solltet Ihr bei der Breiten-Bemessung berücksichtigen.
    Beispiel: die Gosse im Foto rechts (Diepholz, Maschstraße)  dürfte ’nicht befahrbar‘ sein!! Somit ist der Schutzstreifen wirklich nur 65cm plus Markierung schmal. Das ist Humbug.

StVO

Z340 LeitlinieAnlage 3 (zu § 42 Abs. 2)
Abschnitt 8 Markierungen
lfd. Nr. 22

Zeichen 340 Leitlinie

Ge- oder Verbot

1.  Fahrzeugführer dürfen Leitlinien nicht überfahren, wenn dadurch der Verkehr gefährdet wird.
2.   Fahrzeugführer dürfen auf der Fahrbahn durch Leitlinien markierte Schutzstreifen für den Radverkehr nur bei Bedarf überfahren. Dabei dürfen Radfahrer nicht gefährdet werden.
3.  Fahrzeugführer dürfen auf durch Leitlinien markierte Schutzstreifen für den Radverkehr nicht parken

Erläuterung

Der Schutzstreifen für den Radverkehr kann mit dem Sinnbild „Radverkehr“ auf der Fahrbahn gekennzeichnet sein.

Kein Sonderweg, sondern Teil der Fahrbahn

Der Schutzstreifen ist Bestandteil der Fahrbahn und bekommt deshalb *KEIN* blaues Schild , sondern das Sinnbild „Radfahrer“ (in weiß auf den Grund gemalt). Autos sollen den Schutzstreifen zwar üblicherweise nicht befahren, aber sie dürfen ihn ausnahmsweise z.B. zum Ausweichen befahren.
Weil der Schutzstreifen ein Teil der Fahrbahn ist, gelten im übrigen die üblichen Regeln für Fahrbahnen.

Rechtsfahrgebot –> „Benutzungspflicht“ ?

Für auf der Fahrbahn fahrende Fahrzeuge gilt das Rechtsfahrgebot. Da der Schutzstreifen rechts auf der Fahrbahn markiert ist, besteht eine indirekte Benutzungspflicht für Radfahrer. Da sich dieses Gebot einzig und allein aus dem Rechtsfahrgebot ableitet, gelten auch die Einschränkungen des Rechtsfahrgebotes:

  • Zum Überholen und Linksabbiegen darf man den Sch.str. selbstverständlich verlassen.
  • Abstands-Gebot: Sowohl zu parkenden Autos (aufklappende Türen) als auch zum Fahrbahnrand (Sturzgefahr) muss man einen hinreichenden Seitenabstand halten. Wenn der Schutzstreifen aber viel zu schmal markiert wurde (Beispiel), dann passt man mit einem ca. 80 cm breiten Fahrrad selbstverständlich nicht mehr auf den Schutzstreifen.
  • In den üblichen Fällen der Unbenutzbarkeit (etwa Glasscherben, Schneehaufen, Autoblech) braucht man den Sch.Str. ohnehin nicht zu benutzen.

 

VwV-StVO

Zu § 2 Straßenbenutzung durch FahrzeugeZu Absatz 4 Satz 2
 I. [ . . . ]
12 5. Ein Schutzstreifen ist ein durch Zeichen 340 gekennzeichneter und zusätzlich in regelmäßigen Abständen mit dem Sinnbild „Fahrräder“ markierter Teil der Fahrbahn. Er kann innerhalb geschlossener Ortschaften auf Straßen mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von bis zu 50 km/h markiert werden, wenn die Verkehrszusammensetzung eine Mitbenutzung des Schutzstreifens durch den Kraftfahrzeugverkehr nur in seltenen Fällen erfordert. Er muss so breit sein, dass er einschließlich des Sicherheitsraumes einen hinreichenden Bewegungsraum für den Radfahrer bietet. Der abzüglich Schutzstreifen verbleibende Fahrbahnteil muss so breit sein, dass sich zwei Personenkraftwagen gefahrlos begegnen können. Schutzstreifen sind in Kreisverkehren nicht zulässig. Zum Schutzstreifen vgl. Nummer II zu Zeichen 340; Rn. 2 ff.
Zu Anlage 3 (§ 42 Abs. 2)Zu Zeichen 340 Leitlinie
1 I. [. . .]
II. Schutzstreifen für Radfahrer
2 1. Die Leitlinie für Schutzstreifen ist im Verhältnis Strich/Lücke 1:1 zu markieren und auf vorfahrtberechtigten Straßen an Kreuzungen und Einmündungen als Radverkehrsführung fortzusetzen.
3 2. Auf die Markierung einer Leitlinie in Fahrbahnmitte ist zu verzichten, wenn abzüglich Schutzstreifen der verbleibende Fahrbahnanteil weniger als 5,50 m breit ist.
4 3. Zu Schutzstreifen vgl. auch zu Nummer I 5 zu § 2 Abs. 4 Satz 2.
5 III. Leitlinien sind nach den Richtlinien für die Markierung von Straßen (RMS) auszuführen. Vgl. zu Markierungen (Anlage 3).
6 IV. Vgl. auch Nummer I zu § 7 Abs. 1 bis 3.

Parkverbot

Seit 1.9.2009 ist das Parkverbot auf Schutzstreifen in der StVO pauschal geregelt, siehe Zeichen 340 StVO, Ge- oder Verbot, Nr. 3.
Es bedarf also keiner weiteren Beschilderung.

Außerorts sind Schutzstreifen *derzeit* nicht erlaubt

Allerdings läuft ein „Modellversuch Schutzstreifen außerorts“. Die bisherigen Erkenntnisse sind wohl positiv, so dass durchaus damit gerechnet werden kann, dass demnächst auch Schutzstreifen außerorts zugelassen werden.

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Holger

Alltags- und Ganzjahres-Radfahrer. Arbeitsweg 18km hin und 18 zurück. Fahre meist mit dem Liegerad, Flux 500.

6 Kommentare

  1. Karl-Heinz Hofmann-Grandke on

    Danke für den aufschlußreichen Beitrag. Ich habe nun eine Stunde das Netz durchforstet, bin aber nirgends fündig geworden, ob ich als Radfahrer den Schutzstreifen / Radstreifen verlassen darf, um ein anderen Fahrrad zu überholen, wenn hinter mir ein Auto fährt, das nur geringfügig das Tempo drosseln muss, damit ich meinen Überholvorgang beenden kann.

    • Michael Nebert on

      Der Schutzstreifen ist ein Schutz für Radfahrer, nicht aber ein Zwangsstreifen, auf dem der Radler zu bleiben hat. Du musst u. U. sogar aus dem Schutzstreifen heraus, wenn du nach links in eine abgehende Straße einbiegen willst (links abbiegen). Da haben die Autos hinter dir Pech, wenn sie zwischen dir und dem Kantstein nicht durchkommen, weil auf dem „Schutzstreifen“ ein weiterer Radler fährt…
      Ds neue Radwegekonzept ist im Prinzip an vielen Straßen eine Verbesserung – aber hat sehr, sehr viele Schwachstellen. Leider haben viele Kommunen nicht den Mut, an solchen mal vom „Muss“ mit einer tragbaren Begründung abzuweichen.

  2. Max Mustermann on

    Zum Thema Rechtsfahrgebot –> „Benutzungspflicht“ ?

    Innerorts gibt es bei mehrspurigen Straßen kein Rechtsfahrgebot. Es gilt die freie Spurwahl und man darf rechts schneller fahren als links (StVO §7 Abs. 3).

    • Holger

      Es gilt die freie Spurwahl und man darf rechts schneller fahren als links (StVO §7 Abs. 3).

      Achtung,
      §7 StVO gilt ausdrücklich nur für Kraftfahrzeuge. Somit müssen Radfahrer auch auf solchen Straßen rechts fahren.

  3. Hallo,
    wenn der Schutzstreifen als Bestandteil der Fahrbahn gilt, darf oder muss ein PKW beim Rückwärts-Seitwärts-Einparken sich auf diesen Streifen stellen, um in die Lücke zu fahren?

    • Holger

      darf oder muss ein PKW beim Rückwärts-Seitwärts-Einparken sich auf diesen Streifen stellen, um in die Lücke zu fahren?

      Hi, klares: ja. Und zwar ist das in der StVO zum Zeichen 340 „Leitlinie“ geregelt: „Ge- oder Verbot …. 2. Wer ein Fahrzeug führt, darf auf der Fahrbahn durch Leitlinien markierte Schutzstreifen für den Radverkehr nur bei Bedarf überfahren….. “ Also zum Beispiel falls nötig zum Ausweichen oder eben um auf den neben der Fahrbahn gelegenen Parkstreifen zu gelangen.

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